Ein Praxisbeispiel aus der RPK – der Rehabilitationseinrichtung für psychisch Kranke in Schwerin
Psychisch krank - na und? In 10 Tagen unterschreibe ich meinen Arbeitsvertrag
Hubert ist 25. Er zählt die Tage ...noch 10 sind es, dann wird er einen Arbeitsvertrag unterschreiben, den ersten echten. Dann hat er es tatsächlich geschafft, sein Hobby zum Beruf gemacht. Unglaublich!
Wer ihn kennt, mag ihn, den dunkelhaarigen jungen Mann, an dem irgendwie alles ruhig und gemütlich wirkt, der immer freundlich ist und lacht. Dabei gab`s in den letzten 15 Monaten nicht immer nur Freude und Gemütlichkeit. Während der Bundeswehrzeit war eine Psychose ausgebrochen und Hubert verlor vorübergehend sprichwörtlich den Boden unter den Füßen. Hilfe fand er schließlich in der RPK - der Rehabilitationseinrichtung für psychisch Kranke in Schwerin.
Seit 2007 gibt es diese Einrichtung - immer noch die einzige in MV - betrieben von zwei kooperierenden Trägern: der AHG Poliklinik Schelfstadt und der ANKER Sozialarbeit gemeinnützigen GmbH. Während die Klinik die Angebote der medizinischen Reha vorhält, erbringt der ANKER alle Leistungen der beruflichen Wiedereingliederung. Das Besondere der RPK - und für psychisch kranke Menschen oft zwingend erforderlich - ist die flexible Vernetzung zwischen beiden Reha-Bereichen. Es gibt eine komplexe Rehabilitation „aus einem Guss", wie es in der Empfehlungsvereinbarung der Krankenkassen und Rentenversicherungsträger sowie der Agentur für Arbeit steht, die für die Finanzierung aufkommen.
Hubert verbrachte 6 Monate in der Klinik. In seinen Mitpatienten fand er Menschen, die Ähnliches erlebt hatten und ihn verstanden. Das gab Halt. Einige von ihnen wurden zu Freunden, Verbündeten. Angeregt durch verschiedene Therapien konnte Hubert über die psychische Störung nachdenken, herausfinden, was dazu geführt hatte und vor allem, was hilft, wieder ganz normal leben zu können. Und arbeiten. Vor allem das.
Aber was wollte er eigentlich machen? Mit dieser Frage begann Hubert im Juli 2010 seine berufliche Reha beim ANKER. Was schaffe ich überhaupt noch? Was kann ich gut? Was macht mir Spaß? Womit will ich Geld verdienen - wenn alles gut geht bis zur Rente? Zunächst einmal ist da der erlernte Beruf, Facharbeiter für Lebensmitteltechnik. Seine Ausbildung hatte er in einem großen Getränkeunternehmen absolviert. Was man hat, hat man. Hier ließe sich anknüpfen. Aber eigentlich... Eigentlich schlägt sein Herz für Autos. Es gibt kein Teil an diesem Gefährt, das Hubert nicht kennt und kaum ein Werkzeug, das er nicht zu benutzen weiß. Stolz ist er auf seinen alten VW-Bus, leuchtendrot und so ziemlich ganz und gar allein zusammengeschraubt. Das Schrauben, ja, das ist seine Welt! Aber es gibt keinen Schein, keinen Abschluss, nur das, was er weiß und kann. Ob man damit jemanden überzeugen kann??
Die ersten Praktika im Lagerbereich einer Waschmittelfirma sowie im Lagerbereich eines Lebensmittelherstellers nutzte Hubert zum Arbeitstraining und zur Steigerung seiner Belastbarkeit. Dann traute er sich und bewarb sich um ein Praktikum in einer KFZ-Werkstatt in der Nähe seines Heimatortes, in Kühlungsborn. Wenigstens ausprobieren wollte er, ausloten, was möglich ist. Genau diese Möglichkeit bietet die berufliche Reha: 9 Monate Zeit zum Herausfinden was einer kann und dann Ausprobieren in der Praxis, im Praktikum, am besten so lange, bis der Chef gar nicht mehr anders kann, als den Praktikanten einzustellen. Genau das hat Hubert geschafft. Der Chef der Werkstatt war sich schon nach wenigen Tagen sicher: Hier hatte er jemanden, der sich auskennt und der Autos und das Schrauben liebt. Der nicht auf die Uhr sieht und der absolut verlässlich ist. Sein eigenes Auto würde er ihm anvertrauen, ohne mit der Wimper zu zucken. Ein Schein, ein abgeschlossener Lehrbrief verliert da an Bedeutung. Das kann ja noch kommen. Erst einmal will er den Hubert in seiner Werkstatt haben, ganz verbindlich, mit Vertrag und geregeltem Gehalt.
Hubert hat das Beste gemacht aus der psychischen Krise, er hat sie zum Innehalten genutzt und zum Herausfinden seines Weges. Noch 10 Tage Hubert, Anerkennung und viel Glück!









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